"GIF it to me, Baby!" – 30 Jahre Graphics Interchange Format

Netscape und die Schleife

Der Grundstein für den – damals noch nicht absehbaren – Siegeszug des GIF wurde 1995 gelegt: Es war der Browser-Pionier Netscape und nicht Compuserve, der dem GIF die Schleife beibrachte. Das Bildformat hatte mit der zweiten Version 89a zwar gelernt, Frames zeitversetzt abzuspielen, aber nicht diese zu wiederholen. Der am 18. September 1995 erschienene Netscape Navigator 2.0 führte eine Erweiterung des GIF-Formates ein, mittels derer man Wiederholungen für Animationen festlegen konnte. War im frisch eingeführten Netscape Application Block (NAB) eine 0 eingetragen, lief das GIF in Schleife. Diese sollte sich nach und nach als wichtigste Eigenschaft des Bildformates erweisen: Steve Wilhite sagte mal, dass das GIF 1998 in der Versenkung verschwunden wäre, hätte Netscape die Animationsschleife nicht eingebaut.

1999 begann Unisys auch Entwickler freier Software und sogar Privatpersonen für die reine Einbindung (!) von GIFs in Web-Seiten zur Kasse zu bitten. Das ganze kulminierte im "Burn all GIFs"-Day am 5. November 1999, an dem vor der Unisys-Zentrale demonstriert wurde. Die Zeiten hatten sich geändert: Unisys war der Buhmann und Compuserve inzwischen Teil von AOL. Aus 1200 Baud waren 768 kBit/s und aus Einwahlmodems ADSL-Anschlüsse geworden.

Das Feld der Animationen im Internet dominierte (damals noch) Macromedias Flash-Player, denn der war vielseitiger und man musste keine Lizenzgebühren bezahlen. Das GIF spielte eine eher untergeordnete Rolle in einem Web voller Flash-Intros. Allenfalls als Hinweis auf der eigenen, noch im Aufbau befindlichen Geocities-Website durfte das GIF einen fleißigen kleinen Bauarbeiter präsentieren, der unermüdlich schaufelte. Meist wurde die Website trotz des steten Schaufelns kein Stück fertiger. Sammlungen von kleinen Flaggen auf Info-Websites von Unis, drehende Globen und hin- und her morphende Bilder – das war das Schicksal des GIF zur Zeit der expandierenden Dotcom-Blase.